Nebenwirkungen bei einer Corona-Impfung aus zahnmedizinischer Sicht

Seit November 2019 beschäftige ich mich nun intensiv mit dem Coronavirus, speziell auf meinem Fachgebiet der Zahnmedizin. Ich möchte Ihnen daher einen kurzen Überblick geben, über die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung gegen das Coronavirus. Aus meiner Sicht sind diese Nebenwirkungen sehr gering und unterliegen fast immer dem statistischen Mittel. Diese Übersicht durch einen fachkundigen und qualifizierten Zahnarzt soll Ihnen die Möglichkeit bieten, sich außerhalb von Facebook und Co. unabhängig zu diesem Thema zu informieren.

Noch keine Impfungen in Zahnarztpraxen (Stand 02.12.2021)

Die Bund-Länder-Konferenz hat beschlossen, dass auch Zahnärzte Corona-Schutzimpfungen durchführen können und sollen. Die rechtlichen Voraussetzungen für Impfungen in Zahnarztpraxen müssen aber erst noch geschaffen werden. Es ist somit zu früh, um als Patient in den Praxen nachzufragen und entsprechende Termine zu vereinbaren, erklärten die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV). Denn technische und juristische Vorbereitungen und die Impfstofflogistik sind noch nicht final geklärt, werden aber derzeit von den zuständigen Stellen unter Hochdruck erarbeitet. So muss etwa der Gesetzgeber erst eine entsprechende Gesetzesänderung vornehmen. Auf diese vorgelagerte Prozesskette müssen Zahnärzteschaft und Patienten jetzt zunächst warten.

Wir halten Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.

Hinweis:
Anbei eine kurze Erklärung der Namen ( zuerst die korrekte wissenschaftliche und pharmazeutische Bezeichnung, dann die umgangssprachliche Bezeichnung der Impfstoffe). Dies soll Ihnen helfen, die Studien einfacher zu lesen.

  • Comirnaty (Biontech/Pfizer)
  • Spikevax (Moderna)
  • Vaxzevria (AstraZeneca)
  • Janssen (Johnson & Johnson)

Boosterimpfung und Zahnschmerzen? (Stand Dezember 2021)
Studien zu Nebenwirkungen durch eine Booster Impfung im Bereich der Zahnmedizin, sprich dadurch ausgelöste Zahnschmerzen, liegen aktuell nicht vor

Zahnschmerzen, Zahnbehandlung und Impfung? (Stand Juni/Juli 2021)

Wer an einer akuten Krankheit mit Fieber (38,5 °C oder höher) leidet, sollte erst nach der Genesung geimpft werden. Eine Erkältung oder gering erhöhte Temperatur (unter 38,5 °C) ist jedoch kein Grund, die Impfung zu verschieben. Einige zahnmedizinische Erkrankungen (zum Beispiel ein eitriger Abszess oder eine Extraktion mehrerer Zähne) sollten erst mit ihrem Zahnarzt abgeklärt werden, ansonsten ist eine Impfung gegen den Coronavirus auch in diesen Fällen meistens unbedenklich. Es ist jedoch ratsam, zwischen einer Corona Schutzimpfung und einer größeren Zahnbehandlung eine gewisse Zeit verstreichen zu lassen, damit das Immunsystem die Impfung richtig verarbeiten und sich davon erholen kann. Darum sollten Impftermine und fällige Zahnbehandlungen gut mit ihrem Zahnarzt abgestimmt werden. Der Nutzen einer rechtzeitigen Impfung überwiegt in meinen Augen allerdings das sehr geringe Restrisiko, dass ihr Immunsystem durch eine zahnmedizinische Behandlung überfordert ist. Füllungen, Wurzelbehandlungen (wenn der Zahn entzündet ist, kann ihr Zahnarzt dies durch eine gezielte Behandlung mit entsprechenden Medikamenten umgehend behandeln) und einfache Extraktionen eines Zahnes sind somit auch kurz vor oder nach einer Impfung durchführbar.

  • Zahnschmerzen nach einer Astrazeneca-Impfung?
    Prof. Alexander Kekulé verneint dies in einem Podcast vom 02.Juli 2021: "Eher ein zufälliges Ereignis,..." (siehe auch)
  • Zahnschmerzen durch die Covid-19-Schutzimpfung?
    Es besteht bisher kein Zusammenhang zwischen einer Impfung gegen den Coronavirus und plötzlich auftretenden Zahnschmerzen, es kann allerdings sein, das ihr Immunsystem durch die Bildung von Antikörpern beschäftigt ist und sich somit eine verdeckte Entzündung, zum Beispiel an der Wurzelspitze erst dadurch bemerkbar macht
  • Antibiotika bei einer Impfung?
    Antibiotika und Impfung stellen keine Kontraindikation dar, das heißt, auch bei einer Antibiotikaeinnahme und einer zeitlich nahen Impfung stellt dies kein Problem dar (Quelle: Professor Timo Ulrichs). Manchmal muss eine Infektion an den Zähnen auch mit Antibiotika durch den Zahnarzt behandelt werden, sollte dies der Fall sein, können Sie sich trotzdem impfen lassen, solange ihre Temperatur nicht über 38,5 °C liegt
  • Darf ich vor oder nach der Corona-Impfung Schmerzmittel (zum Beispiel wegen Zahnschmerzen) nehmen?
    Aus Studien zu Nicht-Corona-Impfstoffen ist bekannt, dass eine prophylaktische, also eine Schmerzmittel-Einnahme vor der Impfung „nicht empfehlenswert sei“. Anders verhält es sich, wenn der Griff zu Paracetamol, Ibuprofen etc. nach der Impfung erfolgt. Stand jetzt gebe es „keine Evidenz, dass die Gabe dieser Medikamente beim Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen nach der Impfung den Impferfolg signifikant beeinflussen könnte“, schreibt das RKI. Neue Studien vom Juli 2021 weisen jedoch auf einen etwas geringeren Schutz hin, nach Möglichkeit sollten Sie daher einige Stunden vor und nach der Impfung auf schmerzstillende Medikamente verzichten.
  • Verursacht die Corona-Impfung Gesichtslähmungen?
    Jede Impfung kann Nebenwirkungen verursachen – auch die Covid-Impfung. Lähmungserscheinungen im Gesicht sind möglich – aber auch extrem selten. Bei einer Fazialisparese handelt es sich um eine Gesichtslähmung, die meist nicht lange andauert. So informiert die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), dass sie sich in 95 Prozent der Fälle innerhalb eines Monats von selbst wieder zurückbildet. Die Gabe von Kortikosteroiden beschleunigt den Genesungsprozess, so die DGN. Fazialisparesen werden häufig mit Viruserkrankungen – etwa Grippe oder Gürtelrose – in Verbindung gebracht, heißt es weiter. Doch auch Impfungen könnten die Entwicklung von Fazialisparesen triggern (begünstigen). Auch nach Corona-Impfungen kam es zu derartigen Fällen, allerdings handelt es sich um eine sehr seltene Komplikation (Auftreten im zweistelligen Bereich bei zweistelligen, millionenfach verabreichten Impfungen). Ob ein Zusammenhang besteht ist derzeit wissenschaftlich noch nicht genau untersucht.
  • Update August 2021: Bell Parese nach der Impfung?
    In den umfangreichen klinischen Prüfungen vor der Zulassung wurden nach Gabe von Comirnaty 4 Fälle, sowie nach Gabe von COVID-19 Vaccine Moderna 3 Fälle (gegenüber 1 Fall in der Kontrollgruppe der Ungeimpften) von akuter Gesichtslähmung (Bell-Parese) beobachtet (entspricht einer Häufigkeit zwischen 0,1% und 0,01%). Ob das im ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung steht, wird jeweils weiter untersucht. Die Bell Parese bildet sich für gewöhnlich bei 85 Prozent der betroffenen Patienten wieder vollständig zurück.
    Quelle: https://www.pei.de/SharedDocs/FAQs/DE/coronavirus/sicherheit-wirksamkeit-impfstoff/15-coronavirus-impfstoff-covid-19-welche-impfreaktionen-koennen-auftreten.html
  • Update November 2021: Guillain-Barré-Syndrom nach Vektor-Impfstoffen?
    Darüber hinaus beobachtet das PEI (Paul-Ehrlich-Institut) auch sehr seltene Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS). Diese ereigneten sich mit einer Häufigkeit von 1 unter 100.000 Geimpften, die die Vektorimpfstoffe Vaxzevria und Janssen bekommen hatten. Nach mRNA-Impfstoffen ist die Berichtsrate nicht höher als statistisch zu erwarten. Beim GBS handelt es sich um eine Entzündung von Nerven, die mit Lähmungen einhergeht. Auf folgende mögliche Symptome weist die US-Arzneimittelbehörde FDA in diesem Zusammenhang hin:

    Schwäche in Armen und Beinen
    Schwierigkeiten beim Gehen
    Schwierigkeiten bei Bewegungen des Gesichts (auch beim Kauen, Sprechen und Schlucken)
    Schwierigkeiten, Blase und Darm zu kontrollieren
    Schwierigkeiten, die Augen zu bewegen, und Doppeltsehen

    Wer diese Symptome bemerkt, sucht am besten einen Arzt auf. In den der FDA gemeldeten Fällen traten sie meist innerhalb von 42 Tagen nach der Impfung auf.

    Quelle: https://www.aponet.de/artikel/ein-monat-corona-impfung-diese-nebenwirkungen-traten-auf-22955

Covid-Risikofaktor Zähne (Stand Dezember 2021)

Mehrere Studien geben nun auch Hinweise darauf, dass eine Zahnfleischentzündung oder generell schlechte Mundhygiene ein Risikofaktor für Covid-19 ist. So konnte zuletzt eine Untersuchung aus Katar zeigen, dass Covid-19-Patienten mit bestehender Parodontitis 3,5-mal häufiger auf einer Intensivstation behandelt werden mussten, 4,5-mal häufiger beatmet werden müssen und sogar neunmal häufiger versterben als Patienten mit intakter Mundflora.

Orale Bakterien können die Lunge infizieren
Die Forscher beobachteten, dass Patienten mit einer Parodontitis orale Bakterien einatmen, die aus dem Mund in die Lunge gelangen und dort zusätzliche Entzündungen auslösen können – insbesondere bei Patienten, die ein Beatmungsgerät verwenden mussten. "Dies kann zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Patienten mit Covid-19 beitragen und das Sterberisiko erhöhen", sagte Studienautor Mariano Sanz. Er empfiehlt daher, bei Covid-19-Patienten mit Parodontitis den Mundraum vor der Beatmung zu desinfizieren. Die Studienergebnisse würden es erfordern, Parodontitis als weiteren Risikofaktor für Covid-19 anzusehen. Quelle: https://idw-online.de/de/news762486

Mundhygiene vor allem in Corona-Zeiten wichtig

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie rät schon lange dazu, auch in Zeiten der Pandemie die Zahnpflege nicht zu vernachlässigen. Um Parodontitis vorzubeugen, sei eine gute Mundhygiene essenziell. Zweimal täglich Zähneputzen sollte selbstverständlich sein, reicht aber zur Vorbeugung nicht aus. So sollten die Zahnzwischenräume ebenfalls mit Zahnseide oder speziellen Interdentalbürsten gereinigt werden. Zudem empfiehlt sich mindestens zweimal jährlich eine Prophylaxe beim Zahnarzt. Dabei werden Beläge sowie Zahnstein entfernt und die Zähne mit Fluorid behandelt.


Bei Fragen können Sie mich gerne kontaktieren:

Zahnarzt Hans-Werner Schmücker

Telefon: 08332-8323

E-Mail: kontakt@zahnarztpraxis-schmuecker.de

Ulrichstr. 6
87724 Ottobeuren


 

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