Angst und Schmerzen beim Zahnarzt – was wir dafür tun können


Für manche Menschen ist nicht die Behandlung selbst das Schlimmste, sondern der Moment davor: Sie sitzen auf dem Behandlungsstuhl und wissen nicht genau, was gleich passiert.


Vielleicht ist es die Angst vor der Betäubungsspritze. Vielleicht sind es die Geräusche des Bohrers. Vielleicht haben Sie schon einmal eine schmerzhafte Behandlung erlebt und möchten so etwas nicht noch einmal durchmachen.

Genau deshalb beginnt eine gute Behandlung für uns nicht mit dem Bohrer – sondern mit dem Gespräch.

Wir möchten, dass Sie wissen, was passiert, warum wir etwas tun und dass Sie jederzeit Einfluss auf die Behandlung nehmen können. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, Schmerzen und Ängste zu reduzieren.


Was kann ich als Zahnarzt gegen Ihre Schmerzen tun?

Eine schmerzfreie oder möglichst schmerzarme Behandlung besteht nicht aus einem einzigen Trick. Es sind viele kleine Dinge, die zusammenspielen können.
Dazu gehören eine sorgfältige Betäubung, eine ruhige Vorgehensweise, eine verständliche Kommunikation und ein Behandlungskonzept, das zu Ihnen passt.


Die Betäubung möglichst angenehm machen

Viele Menschen haben mehr Angst vor der Betäubungsspritze als vor der eigentlichen Behandlung.
Dabei können wir einiges tun, damit dieser Moment möglichst angenehm wird.
Je nach Behandlung und Situation können wir beispielsweise die Schleimhaut zunächst oberflächlich betäuben. Auch die Art, wie die Betäubung gesetzt und wie langsam das Betäubungsmittel eingebracht wird, kann einen Unterschied machen.
Langsamkeit ist dabei kein Zeichen dafür, dass etwas nicht funktioniert – im Gegenteil.
Eine vorsichtige und kontrollierte Injektion kann dazu beitragen, unangenehme Druck- oder Spannungsgefühle zu reduzieren.
Auch eine leichte Ablenkung durch Berührung oder Bewegung an der Lippe beziehungsweise Wange kann für manche Patienten hilfreich sein.
Die Medizin dahinter: Das Gehirn kann nicht unendlich viele Reize gleichzeitig verarbeiten. Die Nervenfasern für Berührung und Vibration sind dicker und transportieren Signale schneller zum Gehirn als die dünnen Schmerznerven. Durch das Rütteln ist die „Leitung“ besetzt, und der eigentliche Piekser kommt im Gehirn kaum noch an.


Nicht jeder Reiz bedeutet Schmerz

Das ist besonders bei umfangreicheren Behandlungen wichtig.
Auch wenn ein Zahn ausreichend betäubt ist, können Sie unter Umständen noch Druck, Bewegung, Vibration oder ein Ruckeln wahrnehmen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Sie Schmerzen haben.
Gerade beim Entfernen eines Zahnes ist dieser Unterschied wichtig:
Sie können spüren, dass etwas passiert – es sollte aber nicht schmerzhaft sein.
Wir erklären Ihnen deshalb möglichst vorher, welche Empfindungen Sie erwarten können. So kommt ein ungewohntes Gefühl nicht plötzlich und unerwartet.

Das geheime Oberflächen-Gel

Der Trick: Wir tupfen vorab ein gut schmeckendes Gel (oft Erdbeer- oder Minzgeschmack) auf die Einstichstelle und lassen es kurz einwirken.
Die Medizin dahinter: Das ist ein topisches Anästhetikum (oft Benzocain oder Lidocain). Es betäubt die obersten Millimeter der Schleimhaut. Den Einstich der hauchdünnen Nadel spüren Sie dadurch so gut wie gar nicht mehr.


Angst beginnt oft mit der Erwartung

Angst vor dem Zahnarzt hat viele unterschiedliche Ursachen.
Manche Patienten haben schlechte Erfahrungen gemacht. Andere haben Angst vor Schmerzen oder davor, die Kontrolle zu verlieren. Manche wissen selbst gar nicht genau, warum ihnen eine Behandlung unangenehm ist.
Deshalb versuchen wir nicht, jeden Patienten nach dem gleichen Schema zu behandeln.

Wir sprechen über Ihre Angst

Wenn Sie Angst vor einer Behandlung haben, dürfen Sie uns das offen sagen.
Sie müssen sich dafür nicht rechtfertigen und sich auch nicht dafür schämen.
Im Gegenteil: Wenn wir wissen, was Ihnen Sorgen macht, können wir uns darauf einstellen.
Vielleicht ist es die Spritze.
Vielleicht der Bohrer.
Vielleicht die Angst vor dem Würgereiz.
Vielleicht eine frühere schlechte Erfahrung.
Oder vielleicht einfach das Gefühl, nicht zu wissen, was als Nächstes passiert.
Je genauer wir wissen, was Ihnen unangenehm ist, desto besser können wir darauf eingehen.

Sie behalten die Kontrolle

Einer der einfachsten, aber für viele Patienten wichtigsten Punkte ist ein vereinbartes Stoppsignal.

Das Stoppsignal
Vor einer Behandlung können wir ein ganz einfaches Zeichen vereinbaren:
Sie heben die Hand – wir unterbrechen.
Damit müssen Sie nicht versuchen, während der Behandlung etwas zu sagen, obwohl Instrumente im Mund sind.
Allein das Wissen, jederzeit eine Pause verlangen zu können, kann bereits dabei helfen, entspannter zu werden.
Natürlich gibt es Situationen, in denen eine Behandlung nicht in jeder Sekunde unterbrochen werden kann. Das erklären wir Ihnen vorher. Grundsätzlich gilt aber:
Sie sollen sich der Behandlung nicht ausgeliefert fühlen.


Wir kündigen an, was passiert

Eine Behandlung wird oft unangenehmer, wenn etwas völlig überraschend kommt.
Deshalb erklären wir möglichst vorher, was als Nächstes passiert.
Zum Beispiel:
„Sie werden jetzt einen kleinen Druck spüren.“
oder:
„Jetzt bewegen wir den Zahn ein wenig.“
Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit. Für einen ängstlichen Patienten kann es aber einen großen Unterschied machen.
Denn ein angekündigter Druck ist etwas anderes als ein plötzlich auftretendes, unbekanntes Gefühl.

Sprachliche Hypnose und „Framing“

Der Trick: Sie werden von uns niemals das Wort „Spritze“, „Einstich“, „Nadel“ oder „Schmerz“ hören. Wir sagen stattdessen: „Ich schlafe den Zahn jetzt ein“, „Sie spüren jetzt einen kleinen Druck“ oder „Ich gebe Ihnen etwas Medizin“.

Die Psychologie dahinter: Wörter triggern das Angstzentrum im Gehirn. Wenn ich sage: „Achtung, jetzt kommt die Spritze, das tut kurz weh“, schüttet Ihr Körper sofort Adrenalin aus und Sie sind maximal schmerzempfindlich. Durch neutrale Wörter bleibt Ihr Nervensystem im Ruhemodus.


Nicht unnötig Angst machen

Genauso wichtig ist für uns, nicht ständig mit möglichen Schmerzen zu drohen.
Statt eine Behandlung mit Sätzen wie „Das könnte jetzt etwas wehtun“ einzuleiten, versuchen wir, neutral und ruhig zu erklären, was Sie tatsächlich wahrnehmen werden.
Unsere Sprache soll Ihnen Orientierung geben – nicht zusätzliche Angst machen.


Was hilft gegen das Bohrergeräusch?

Für manche Patienten ist nicht die Behandlung selbst das größte Problem, sondern das Geräusch.
Das hochfrequente Geräusch des Bohrers kann Erinnerungen an frühere Behandlungen auslösen und dadurch die Anspannung verstärken.
Wenn Sie möchten, können Sie deshalb gerne eigene Kopfhörer mitbringen.
Musik, ein Podcast oder ein Hörbuch können dabei helfen, sich auf etwas anderes zu konzentrieren.
Sie können uns auch sagen, wenn Sie lieber möglichst wenig von den einzelnen Behandlungsschritten hören möchten.



Zahnziehen: Druck und Ruckeln sind nicht automatisch Schmerzen

Auch bei einer Zahnentfernung können wir einiges dafür tun, dass die Behandlung möglichst angenehm abläuft.
Zunächst wird der betreffende Bereich ausreichend betäubt.
Beim Entfernen des Zahnes geht es dann nicht darum, einfach möglichst kräftig zu ziehen. Der Zahn wird kontrolliert gelockert und anschließend entfernt.
Dabei können Sie durchaus Druck, Bewegung oder ein Ruckeln wahrnehmen. Denn wir „ziehen“ gar nicht – wir lockern: Das Wort „Zahnziehen“ ist eigentlich falsch. Würden wir einfach nur nach oben reißen, würde der Zahn abbrechen. Stattdessen nutzen wir das physikalische Hebelgesetz. Wir drücken spezielle Instrumente (Hebel) zwischen Zahn und Knochen und weiten den Knochen durch sanfte, rhythmische Hin- und Herbewegungen. Der Zahn gleitet am Ende fast von alleine heraus.

Das kann sich ungewohnt anfühlen, ist aber nicht dasselbe wie Schmerz. 

Der „Druck-statt-Schmerz“-Trick: Wenn wir den Zahn lockern, spüren Sie trotz Betäubung ein starkes Drücken und Ruckeln. Die Betäubung schaltet nämlich nur die Schmerznerven aus, nicht aber die Druckrezeptoren des Kiefers. Wir kündigen diesen Druck vorher ganz bewusst an und sagen: „Es wird jetzt gleich fest drücken, aber es tut nicht weh.“ Das Gehirn kann den Reiz dadurch richtig einsortieren und schlägt keinen falastschen Schmerz-Alarm.


Wenn ein Zahn besonders schwierig zu entfernen ist

Manchmal sitzt ein Zahn sehr fest, hat ungünstig verlaufende Wurzeln oder lässt sich nicht auf einmal entfernen.
In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Zahn zunächst zu teilen und einzelne Teile nacheinander zu entfernen.
Das klingt für viele Patienten zunächst unangenehm. Tatsächlich kann eine solche Vorgehensweise aber gerade dazu beitragen, den Eingriff kontrollierter und schonender durchzuführen.
Nicht möglichst viel Kraft, sondern eine passende Technik ist entscheidend.


Was machen wir bei starken Zahnarztängsten?

Bei ausgeprägter Zahnarztangst ist es oft nicht sinnvoll, sofort mit einer umfangreichen Behandlung zu beginnen.
Manchmal ist der erste Schritt einfach ein Gespräch.
Wir können zunächst darüber sprechen, was Ihnen Angst macht und welche Behandlung Sie benötigen.
Je nach Situation kann es sinnvoll sein, die Behandlung in kleinere Schritte aufzuteilen.
Vertrauen muss nicht sofort da sein
Sie müssen beim ersten Termin nicht sofort entspannt auf dem Behandlungsstuhl liegen.
Vertrauen entsteht häufig Schritt für Schritt.
Deshalb kann es für manche Patienten bereits hilfreich sein, zunächst nur miteinander zu sprechen, die Praxis kennenzulernen und die Behandlung gemeinsam zu planen.


Besonders bei Kindern: erklären, zeigen, erst dann behandeln

Bei Kindern spielt Vertrauen eine besonders wichtige Rolle.
Ein Kind soll möglichst verstehen, was passiert, bevor etwas im Mund gemacht wird.
Deshalb kann eine kindgerechte Vorgehensweise nach dem Prinzip „Tell – Show – Do“ hilfreich sein:
Tell: Wir erklären, was wir machen.
Show: Wir zeigen beispielsweise ein Instrument oder erklären, wie sich etwas anfühlt.
Do: Erst anschließend führen wir den Behandlungsschritt im Mund durch.
So wird aus etwas Unbekanntem etwas, das das Kind bereits kennt.
Dabei gilt für uns:
Ein Kind muss nicht alles beim ersten Termin schaffen.
Manchmal ist es bereits ein großer Erfolg, wenn ein Kind Vertrauen aufbaut und gerne wiederkommt.


Schmerz vermeiden beginnt möglichst früh

Die beste Behandlung gegen Zahnschmerzen ist oft die, die gar nicht erst notwendig wird.
Regelmäßige Kontrolltermine können dabei helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen – beispielsweise Karies, Entzündungen oder Erkrankungen des Zahnfleisches.
Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto häufiger lässt sie sich mit einer kleineren Behandlung versorgen.
Auch eine gute häusliche Zahnpflege und regelmäßige professionelle Prophylaxe können dazu beitragen, die Zahngesundheit langfristig zu erhalten.
Unser Ziel ist deshalb nicht nur, Schmerzen während einer Behandlung zu reduzieren. Wir möchten möglichst verhindern, dass starke Zahnschmerzen überhaupt entstehen.


Was Sie selbst tun können

Auch Sie können einiges dazu beitragen, dass eine Behandlung entspannter abläuft.

  • Sprechen Sie über Ihre Angst
    Sagen Sie uns schon bei der Terminvereinbarung oder spätestens beim Termin, wenn Sie Angst haben.
  • Vereinbaren Sie ein Stoppsignal
    Ein einfaches Handzeichen kann Ihnen das Gefühl geben, die Kontrolle zu behalten.
  • Bringen Sie Kopfhörer mit
    Musik, ein Podcast oder ein Hörbuch können vom Behandlungsgeschehen ablenken.
  • Stellen Sie Fragen
    Wenn Sie wissen möchten, was wir gerade machen oder warum eine bestimmte Behandlung notwendig ist, fragen Sie einfach.
  • Vereinbaren Sie Pausen
    Gerade bei längeren Behandlungen können kurze Unterbrechungen hilfreich sein.


Sie müssen keine Angst haben, Ihre Angst anzusprechen

Vielleicht haben Sie einen Zahnarztbesuch lange vor sich hergeschoben.
Vielleicht liegt eine Behandlung schon seit Monaten auf Ihrer To-do-Liste.
Oder vielleicht haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht und befürchten, dass es beim nächsten Zahnarzt genauso wird.
Sie müssen Ihre Angst bei uns nicht verstecken.
Sprechen Sie uns einfach darauf an.
Wir können gemeinsam überlegen, welche Vorgehensweise für Sie am angenehmsten ist. Denn eine gute Behandlung bedeutet für uns nicht nur, einen Zahn medizinisch richtig zu behandeln.
Sie sollen sich dabei auch gut aufgehoben fühlen.


Häufige Fragen zu Angst und Schmerzen beim Zahnarzt


Tut eine Betäubungsspritze beim Zahnarzt weh?
Der Einstich kann kurz wahrgenommen werden. Durch eine sorgfältige Vorbereitung, eine ruhige Vorgehensweise und eine langsam gesetzte Betäubung lässt sich die Behandlung für viele Patienten deutlich angenehmer gestalten.

Kann ich trotz Betäubung noch etwas spüren?
Ja. Druck, Bewegung oder Vibration können teilweise noch wahrgenommen werden. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Betäubung nicht ausreichend wirkt. Schmerzen sollten Sie bei einer ausreichenden Betäubung nicht haben.

Was kann ich tun, wenn ich große Angst vor dem Zahnarzt habe?
Sprechen Sie Ihre Angst offen an. Wir können gemeinsam überlegen, wie wir den Termin gestalten. Ein Stoppsignal, Pausen, ausführliche Erklärungen und eine schrittweise Behandlung können dabei helfen.

Darf ich während der Behandlung Kopfhörer tragen?
Grundsätzlich können Sie gerne eigene Kopfhörer mitbringen. Musik, Podcasts oder Hörbücher können insbesondere bei störenden Behandlungsgeräuschen hilfreich sein.

Kann ich während der Behandlung eine Pause verlangen?
Ja. Wir können vor der Behandlung ein Stoppsignal vereinbaren. So können Sie uns signalisieren, dass Sie eine Unterbrechung wünschen.

Tut ein Zahnziehen trotz Betäubung weh?
Bei ausreichender Betäubung sollten Sie keinen eigentlichen Schmerz spüren. Druck, Bewegung oder Ruckeln können jedoch wahrgenommen werden. Wir erklären Ihnen vorher, was Sie während der Entfernung erwarten können.

Was ist, wenn ich schon sehr lange nicht beim Zahnarzt war?
Auch dann sollten Sie den Termin nicht weiter aufschieben. Erzählen Sie uns offen, warum Sie bisher nicht gekommen sind. Wir können zunächst gemeinsam besprechen, was notwendig ist und wie wir Schritt für Schritt vorgehen.



Weitere Informationen aus unserem Ratgeber


Zahnarztangst – wenn der Zahnarztbesuch zur Herausforderung wird
Zahnschmerzen – welche Ursachen können dahinterstecken?
Karies – früh erkennen und behandeln
[Lockere Zähne – mögliche Ursachen und Behandlung]
[Parodontitis – wenn das Zahnfleisch krank wird]
[Zahnimplantate – Informationen zu Implantation und Zahnersatz]
[Kinder beim Zahnarzt – Vertrauen von Anfang an]
[Professionelle Zahnreinigung – mehr als nur saubere Zähne]



Über mich


Hans-Werner Schmücker – Zahnarzt in Ottobeuren


Als Zahnarzt weiß ich, dass eine medizinisch gute Behandlung und ein gutes Gefühl beim Zahnarztbesuch zusammengehören.
Als ich mich selbst als Zahnarzt in Ottobeuren niedergelassen habe, musste ich meine vertrauten Ärzte in Köln und Bonn zurücklassen. Dabei habe ich selbst erlebt, wie schwierig es sein kann, einem neuen Arzt Vertrauen zu schenken.

Deshalb beginnt für mich eine Behandlung mit dem Gespräch.

Denn Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit. Es entsteht von Termin zu Termin.

 
 
 
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