Kinder knirschen mit den Zähnen – Warum das bei Milchzähnen oft ganz normal ist
Wenn Eltern nachts laute Knirschgeräusche aus dem Kinderzimmer hören, erschrecken sie häufig. Viele befürchten, dass die Zähne beschädigt werden oder ihr Kind Schmerzen hat. Tatsächlich ist Zähneknirschen (Bruxismus) im Milchgebiss jedoch sehr häufig und in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge.
Gerade während des Wachstums erfüllt das Knirschen häufig eine wichtige Funktion. Nur selten steckt eine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter.
Warum knirschen Kinder überhaupt?
Kinder befinden sich in einer intensiven Wachstumsphase. Besonders der Unterkiefer verändert seine Position in den ersten Lebensjahren erheblich.
Neugeborene besitzen zunächst eine sogenannte physiologische Unterkieferrücklage. Das bedeutet, dass der Unterkiefer deutlich weiter hinten liegt als der Oberkiefer. Erst im Laufe der Kindheit wächst er nach vorne und unten und erreicht nach und nach seine endgültige Position.
Damit dieses Wachstum möglichst ungehindert stattfinden kann, darf der Biss im Milchgebiss nicht starr ineinandergreifen.
Milchzähne sind für das Wachstum geschaffen und unterscheiden sich deutlich von bleibenden Zähnen.
Sie besitzen:
- einen dünneren Zahnschmelz
- eine geringere Mineralisation
- eine weichere Zahnsubstanz
- eine höhere natürliche Abriebfähigkeit
Dieser natürliche Abrieb ist kein Fehler der Natur, sondern ein wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung. Durch das langsame Abnutzen der Kauflächen kann sich der Biss während des Wachstums immer wieder anpassen.
Aus diesem Grund ist das teilweise starke Knirschen vieler Kinder oft ein völlig normaler Vorgang.
Lautes Knirschen ist häufig normal
Viele Eltern berichten, dass ihr Kind nachts außergewöhnlich laut knirscht. Die Geräusche wirken oft dramatischer als sie tatsächlich sind.
In den meisten Fällen gilt:
- das Kind hat keine Schmerzen
- die Zähne erfüllen weiterhin ihre Funktion
- der Abrieb bewegt sich im normalen Rahmen
- eine Behandlung ist nicht erforderlich
Solange keine Beschwerden bestehen und sich die Zähne normal entwickeln, genügt meist die regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt.
Warum erhalten Kinder normalerweise keine Knirscherschiene?
Bei Kindern ist dies jedoch nur in seltenen Ausnahmefällen sinnvoll.
Der Grund:
Während des Wachstums verändert sich die Kieferstellung ständig. Eine starre Schiene könnte diese natürliche Entwicklung sogar beeinflussen. Deshalb werden Knirscherschienen bei Kindern nur eingesetzt, wenn eine eindeutige medizinische Notwendigkeit besteht – beispielsweise bei ausgeprägten Beschwerden oder besonderen kieferorthopädischen Situationen.
Die Entscheidung sollte immer individuell durch den Zahnarzt oder gegebenenfalls einen Kieferorthopäden erfolgen.
Wann hört das Knirschen wieder auf?
Mit Beginn des Zahnwechsels verändert sich das Gebiss erneut. Etwa ab dem 6. Lebensjahr brechen die ersten bleibenden Backenzähne durch. Gleichzeitig kommt es zur sogenannten ersten physiologischen Bisserhöhung, wodurch sich die Bisslage verändert.
Wann sollte das Knirschen untersucht werden?
Auch wenn Knirschen meist harmlos ist, gibt es Situationen, in denen eine Untersuchung sinnvoll ist.
Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Ihr Kind:
- morgens regelmäßig über Schmerzen im Kiefer klagt
- häufig Kopfschmerzen entwickelt
- Schwierigkeiten beim Kauen hat
- Zähne stark oder ungewöhnlich schnell abnutzt
- einzelne Zähne locker werden oder abbrechen
- das Knirschen auch nach Abschluss des Zahnwechsels sehr ausgeprägt bleibt
Dann prüfen wir, ob lediglich ein normales Wachstum vorliegt oder ob eine weitere Behandlung notwendig ist.
Weitere Ursachen für Zähneknirschen
Neben dem natürlichen Wachstum können weitere Faktoren das Knirschen begünstigen:
- emotionale Anspannung oder Stress - mehr zum Thema Stress und Zahnschmerzen finden Sie hier
- Veränderungen im Alltag (z. B. Kindergarten- oder Schulbeginn)
- Müdigkeit
- vorübergehende Veränderungen der Bisslage während des Zahnwechsels
- selten neurologische oder schlafbezogene Erkrankungen
In den allermeisten Fällen verschwindet das Knirschen jedoch ohne Behandlung wieder.
Unsere Empfehlung für Eltern
Wir kontrollieren dabei nicht nur die Zahngesundheit, sondern beurteilen auch die Entwicklung von Kiefern und Biss. So erkennen wir frühzeitig, ob sich alles im normalen Rahmen entwickelt oder ob eine Behandlung sinnvoll sein könnte.
Fazit
Zähneknirschen bei Kindern gehört häufig zu einer gesunden Entwicklung des Milchgebisses. Die Milchzähne sind bewusst so aufgebaut, dass sie sich während des Wachstums anpassen und durch natürlichen Abrieb Platz für die Entwicklung des Kiefers schaffen können. In den meisten Fällen ist das Knirschen daher kein Grund zur Sorge. Wichtig sind regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, damit die Entwicklung Ihres Kindes fachkundig begleitet werden kann.
FAQ zum Thema Zähneknirschen bei Kindern
Ist Zähneknirschen bei Kindern normal?
Ja. Rund jedes dritte Kind knirscht zeitweise mit den Zähnen. Meist handelt es sich um einen normalen Entwicklungsvorgang des Milchgebisses.
Können Milchzähne durch das Knirschen kaputtgehen?
Ein gewisser Abrieb ist normal und sogar erwünscht. Erst wenn die Zähne ungewöhnlich stark beschädigt werden oder Beschwerden auftreten, sollte dies untersucht werden.
Braucht mein Kind eine Knirscherschiene?
In den meisten Fällen nein. Da sich Kiefer und Biss noch entwickeln, werden Schienen bei Kindern nur in besonderen Ausnahmefällen eingesetzt.
Wann verschwindet das Knirschen wieder?
Bei vielen Kindern nimmt das Knirschen während des Zahnwechsels ab und verschwindet bis zum Ende der Wechselgebissphase von selbst.
Muss ich nachts eingreifen, wenn mein Kind knirscht?
Nein. Solange keine Schmerzen oder andere Auffälligkeiten bestehen, müssen Eltern das Kind nicht wecken oder das Knirschen unterbrechen.
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