Welche Medikamente können Zähne und Zahnfleisch beeinflussen?


„Morgens erst einmal eine Handvoll Tabletten …“

Vielleicht kennen Sie das von Ihren Eltern, Schwiegereltern oder sich selbst:
Der Frühstückstisch ist gedeckt, der Kaffee steht bereit – und daneben liegen mehrere Tabletten. Eine gegen den Blutdruck, eine fürs Herz, eine für die Knochen, vielleicht noch etwas gegen Schmerzen oder andere Beschwerden.
Mit zunehmendem Alter werden es bei vielen Menschen mehr Medikamente. Und irgendwann stellt sich die Frage: Was machen diese Medikamente eigentlich mit meinem Mund und meinen Zähnen?
Nicht jedes Medikament hat Auswirkungen auf die Zahngesundheit. Einige können jedoch den Speichelfluss verändern, das Zahnfleisch wachsen lassen, Zahnverfärbungen begünstigen oder bei bestimmten zahnärztlichen Eingriffen eine besondere Rolle spielen.

Oft denkt man dabei gar nicht an die Zähne. Wenn sich beispielsweise das Zahnfleisch verändert oder plötzlich Probleme bei der Mundpflege auftreten, wird der Zusammenhang mit einem Medikament nicht immer sofort erkannt.

Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden.

Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Medikamente für Zähne, Zahnfleisch und Kiefer besonders relevant sein können – und wann Sie Ihren Zahnarzt darüber informieren sollten.


Sie nehmen regelmäßig Medikamente ein? Dann lohnt sich auch ein Blick auf Ihre Mundgesundheit.


Nicht jedes Medikament hat Auswirkungen auf Zähne oder Zahnfleisch. Einige Arzneimittel können jedoch Veränderungen im Mund verursachen oder bei einer zahnärztlichen Behandlung eine besondere Rolle spielen.
Das kann beispielsweise eine Vergrößerung des Zahnfleisches, eine Verfärbung der Zähne oder ein erhöhtes Risiko für bestimmte Komplikationen am Kieferknochen sein.
Deshalb ist es wichtig, dass Ihr Zahnarzt weiß, welche Medikamente Sie regelmäßig einnehmen.


Medikamente können das Zahnfleisch verändern

Manche Medikamente können dazu führen, dass das Zahnfleisch stärker wächst. Es wirkt dann teilweise verdickt oder wulstig und kann die Zahnzwischenräume stärker bedecken.
Das kann die tägliche Zahnpflege erschweren. Gleichzeitig können sich Zahnbeläge leichter ansammeln und das Zahnfleisch zusätzlich entzünden.

Welche Medikamente können das Zahnfleisch vergrößern?

Zu den bekannten Medikamentengruppen gehören unter anderem:

  • Phenytoin, ein Medikament gegen bestimmte Formen von Epilepsie
  • Cyclosporin, ein Immunsuppressivum
  • Calciumkanalblocker wie beispielsweise Amlodipin oder Nifedipin

Nicht jeder Patient, der eines dieser Medikamente einnimmt, entwickelt eine Zahnfleischvergrößerung. Auch die Mundhygiene und eine bereits bestehende Zahnfleischentzündung können eine Rolle spielen.


Was kann man tun?

Wenn Sie eine zunehmende Veränderung Ihres Zahnfleisches feststellen, sollten Sie dies beim Zahnarzt ansprechen.
Eine gründliche Entfernung von Zahnbelägen und eine gute häusliche Mundhygiene sind besonders wichtig. In ausgeprägten Fällen kann eine weitere zahnärztliche oder ärztliche Behandlung notwendig werden.
Wichtig: Medikamente sollten Sie niemals eigenständig absetzen oder verändern. Wenn ein Zusammenhang mit Ihrem Medikament vermutet wird, sollte die weitere Vorgehensweise mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.


Bestimmte Antibiotika können die Zähne verfärben

Eine besondere Bedeutung haben Tetrazykline.
Werden Tetrazykline während der Entwicklung der Zähne eingenommen, können sie sich in die Zahnhartsubstanz einlagern und später zu dauerhaften gelblichen, grauen oder bräunlichen Verfärbungen führen.
Das betrifft vor allem die Zeit der Zahnentwicklung bei Kindern.
Solche Verfärbungen befinden sich nicht einfach auf der Oberfläche des Zahnes. Deshalb lassen sie sich auch nicht wie normale Beläge durch eine professionelle Zahnreinigung entfernen.
Bei bereits bestehenden Verfärbungen gibt es je nach Ausprägung verschiedene ästhetische Möglichkeiten. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter und vom Zustand der betroffenen Zähne ab.


Medikamente gegen Osteoporose: Warum der Zahnarzt davon wissen sollte

Eine weitere wichtige Medikamentengruppe sind Bisphosphonate und andere Medikamente, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen.
Dazu gehört beispielsweise Denosumab.
Diese Medikamente werden unter anderem bei Osteoporose eingesetzt. In anderen Dosierungen und Behandlungssituationen kommen knochenwirksame Medikamente auch bei Krebserkrankungen zum Einsatz.
Für die Zahnmedizin ist vor allem wichtig: Bei einem Teil der Patienten kann unter bestimmten Voraussetzungen eine medikamentenassoziierte Kieferosteonekrose auftreten.
Das Risiko ist nicht bei jedem Patienten gleich. Es hängt unter anderem von der zugrunde liegenden Erkrankung, dem Medikament, der Dosierung, der Dauer der Behandlung und weiteren individuellen Faktoren ab.

Was bedeutet das für eine Zahnbehandlung?

Wenn Sie Bisphosphonate, Denosumab oder andere knochenwirksame Medikamente einnehmen, sollten Sie Ihren Zahnarzt unbedingt darüber informieren.
Das ist besonders wichtig, wenn eine Zahnextraktion, ein chirurgischer Eingriff oder eine Implantatbehandlung geplant ist.
Eine solche Medikation bedeutet nicht automatisch, dass eine notwendige Zahnbehandlung nicht durchgeführt werden kann. Vielmehr sollte das individuelle Risiko vor dem Eingriff berücksichtigt und die Behandlung entsprechend geplant werden.
Setzen Sie Bisphosphonate, Denosumab oder andere Medikamente niemals eigenständig ab.


Kortisonhaltige Inhalationsmedikamente und die Mundgesundheit

Auch Medikamente, die über einen Inhalator angewendet werden, können für die Mundgesundheit relevant sein.
Bei kortisonhaltigen Inhalationspräparaten kann beispielsweise das Risiko für eine Pilzinfektion der Mundschleimhaut, einen sogenannten Mundsoor, erhöht sein.
Je nach Präparat und Anwendung können außerdem Mundtrockenheit und andere Beschwerden im Mund auftreten.
Eine sorgfältige Mundhygiene und die richtige Anwendung des Inhalators sind deshalb wichtig.
Wenn Sie nach der Anwendung eines Inhalationsmedikaments wiederholt weiße Beläge, Brennen oder andere Veränderungen der Mundschleimhaut feststellen, sollten Sie dies ärztlich oder zahnärztlich abklären lassen.


Zuckerhaltige Medikamente können für die Zähne relevant sein

Bei manchen flüssigen Arzneimitteln – beispielsweise bestimmten Säften oder Tropfen – können Zucker oder andere vergärbare Kohlenhydrate enthalten sein.
Bei häufiger oder langfristiger Einnahme kann dies für die Zähne relevant werden, insbesondere wenn das Medikament mehrmals täglich eingenommen wird und anschließend keine Möglichkeit zur Mundpflege besteht.
Das bedeutet nicht, dass Sie ein notwendiges Medikament wegen möglicher Auswirkungen auf die Zähne weglassen sollten.
Wenn Sie ein Medikament regelmäßig einnehmen müssen, können wir gemeinsam überlegen, wie sich Ihre Zähne möglichst gut schützen lassen.

Nicht nur das Medikament selbst ist entscheidend

Wenn Patienten von „Zahnschäden durch Medikamente“ sprechen, wird häufig nur auf den Wirkstoff geschaut.

Tatsächlich können mehrere Faktoren zusammenspielen:

  • Welches Medikament wird eingenommen?
  • In welcher Dosierung?
  • Wie lange wird es bereits eingenommen?
  • Wie häufig wird es angewendet?
  • Welche Grunderkrankung liegt vor?
  • Wie gut ist die Mundhygiene?
  • Wie viel Speichel wird gebildet?
  • Bestehen bereits Karies oder Zahnfleischentzündungen?

Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen: „Dieses Medikament macht die Zähne kaputt.“
Vielmehr geht es darum, mögliche Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen und die Mundgesundheit entsprechend zu beobachten.


Welche Medikamente sollten Sie beim Zahnarzt angeben?

Grundsätzlich sollten Sie Ihren Zahnarzt über alle regelmäßig eingenommenen Medikamente informieren.
Besonders wichtig sind Angaben zu:

  • Medikamenten gegen Epilepsie
  • Immunsuppressiva
  • bestimmten Blutdruckmedikamenten
  • Medikamenten gegen Osteoporose
  • Medikamenten, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen
  • kortisonhaltigen Inhalationspräparaten
  • regelmäßig eingenommenen flüssigen Medikamenten
  • Antibiotika und anderen Medikamenten, die während der Zahnentwicklung bei Kindern eingenommen wurden

Auch rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sollten Sie bei der Anamnese angeben.


Was ist mit Mundtrockenheit und Blutverdünnern?

Zwei weitere große Themen rund um Medikamente und Zahngesundheit behandle ich auf eigenen Seiten ausführlicher.
Mundtrockenheit durch Medikamente:
Viele Medikamente können den Speichelfluss reduzieren. Warum das für Karies und die Mundschleimhaut wichtig ist und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie auf unserer ausführlichen Seite.

Blutverdünner beim Zahnarzt:
Auch Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung sind bei zahnärztlichen Eingriffen wichtig. Sie sollten solche Medikamente jedoch niemals ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt absetzen.


Ihr Medikament steht nicht auf dieser Seite?

Die Liste kann nicht jedes Medikament erfassen. Es gibt sehr viele Arzneimittel, die die Mundgesundheit direkt oder indirekt beeinflussen können.
Wenn Sie unsicher sind, ob ein Medikament für Ihre Zähne oder Ihr Zahnfleisch relevant sein könnte, bringen Sie einfach Ihren aktuellen Medikamentenplan zu Ihrem Zahnarzttermin mit.
So können wir gemeinsam schauen, ob bei Ihrer Behandlung etwas Besonderes berücksichtigt werden sollte.

Wichtig
Bitte setzen Sie ein Medikament niemals eigenständig ab, nur weil Sie eine mögliche Nebenwirkung für Ihre Zähne oder Ihr Zahnfleisch vermuten.
Wenn ein Zusammenhang besteht, sollte die weitere Vorgehensweise gemeinsam mit dem behandelnden Arzt und dem Zahnarzt abgestimmt werden.


Häufige Fragen zu Medikamenten und Zähnen

Können Medikamente Zahnfleischwucherungen verursachen?
Ja. Unter anderem können Phenytoin, Cyclosporin und bestimmte Calciumkanalblocker wie Amlodipin oder Nifedipin eine Vergrößerung des Zahnfleisches begünstigen.

Können Antibiotika die Zähne verfärben?
Bestimmte Antibiotika, insbesondere Tetrazykline, können während der Zahnentwicklung dauerhafte innere Zahnverfärbungen verursachen. Deshalb ist die Anwendung bei Kindern altersabhängig besonders zu beachten.

Sind Medikamente gegen Osteoporose für den Zahnarzt wichtig?
Ja. Dazu gehören beispielsweise Bisphosphonate und Denosumab. Sie können bei bestimmten Patienten für die Planung chirurgischer Eingriffe am Kiefer relevant sein.

Muss ich Bisphosphonate vor einer Zahnbehandlung absetzen?
Nein – nicht eigenständig. Ob eine Änderung der Medikation überhaupt sinnvoll ist, muss individuell mit dem behandelnden Arzt beziehungsweise den beteiligten Fachärzten entschieden werden.

Können Medikamente Karies verursachen?
Manche Medikamente können das Kariesrisiko indirekt erhöhen, beispielsweise wenn sie den Speichelfluss vermindern. Auch bestimmte flüssige Arzneimittel können je nach Zusammensetzung und Häufigkeit der Einnahme für die Zahngesundheit relevant sein.

Kann mein Medikament mein Zahnfleisch verändern?
Ja. Bestimmte Medikamente können eine Zahnfleischvergrößerung oder andere Veränderungen begünstigen. Wenn Sie eine ungewöhnliche Veränderung Ihres Zahnfleisches bemerken, sollten Sie dies beim Zahnarzt ansprechen.

Was sollte ich zum Zahnarzttermin mitbringen?
Am besten bringen Sie eine aktuelle Liste aller Medikamente mit, die Sie regelmäßig oder gelegentlich einnehmen. Dazu gehören auch rezeptfreie Medikamente.


Weitere Informationen aus unserer Zahnarztpraxis

Sie nehmen regelmäßig Medikamente ein und sind unsicher, ob diese für Ihre Zähne oder Ihr Zahnfleisch relevant sein könnten?


Sprechen Sie uns beim nächsten Termin einfach darauf an. Bringen Sie am besten Ihren aktuellen Medikamentenplan mit.

 
 
 
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