Gesunde Zähne und Zahnfleisch in der Schwangerschaft

Allgemeine zahnärztliche Hinweise für Schwangere und Frauen, die eine Schwangerschaft planen

Sollten Sie am Anfang einer Schwangerschaft stehen oder eine Schwangerschaft planen, beglückwünschen wir Sie und wünschen Ihnen alles Gute.

WIESO IST DIE SCHWANGERSCHAFT RELEVANT FÜR DIE ZAHNGESUNDHEIT?

Sollten Sie einen Kinderwunsch haben – also nicht überraschend schwanger werden –, empfiehlt sich noch vor der Schwangerschaft ein Kontrolltermin beim Zahnarzt. So können Sie den aktuellen Zustand Ihrer Mundgesundheit erfahren. Sollten nämlich größere Zahnbehandlungen (Wurzelbehandlungen, Behandlung von Zahnfleischentzündungen oder ähnliches) notwendig sein, ist es ratsam, diese vor der Schwangerschaft durchzuführen. So werden Sie mental und körperlich in der anspruchsvollen Zeit der Schwangerschaft geschont. Ihr Zahnarzt kann Ihnen zudem – wenn nötig – spezielle Tipps und Empfehlungen zur Zahnvorsorge während der Schwangerschaft geben.
 

Schwangerschaft und Mundgesundheit - Fragen Sie ihren Zahnarzt Hans-Werner Schmücker

Sie sind bereits schwanger?

Eine aufregende Zeit kommt nun auf Sie zu. Neben den vielen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt und den Terminen der Schwangerschaftsgymnastik möchten wir Ihnen ans Herz legen, auch ihre Zähne vor der Geburt Ihres Kindes kontrollieren zu lassen, denn besonders jetzt sollten Sie verstärkt auf Ihre Mundhygiene achten. Da in der Schwangerschaft nur begrenzt Behandlungen durchführbar sind, sollten Sie sich am besten zu Beginn der Schwangerschaft untersuchen lassen, ob ihre Füllungen noch intakt sind und keine Entzündungen vorliegen. 

Manche Frauen leiden während der Schwangerschaft auch unter verstärktem Zahnfleischbluten. Schuld hat die hormonelle Umstellung, die auch das Zahnfleisch betrifft. Wenn Sie bereits unter einer Parodontitis (Zahnfleischerkrankung) leiden, sollten Sie diese unbedingt vor der Schwangerschaft behandeln lassen, denn diese Erkrankung kann zu einem geringeren Geburtsgewicht des Kindes und in seltenen Fällen zu einer Frühgeburt führen. 

Einige Hinweise für werdende Mütter:


Erbrechen


Sollten Sie zu den Frauen gehören, denen in der Schwangerschaft so übel wird, dass sie spucken müssen, dann warten Sie mit dem Zähneputzen eine halbe Stunde. Grund: Die Magensäure raut den Zahnschmelz an, was ihn empfindlicher macht. Spülen Sie den Mund einfach mit Wasser aus, dann fühlen Sie sich wahrscheinlich schon besser.

 

 

Vorsorge


In der Schwangerschaft ist es noch wichtiger als sonst, zur Zahnprophylaxe zu gehen. Erstens verändert sich das Zahnfleisch der Frau durch die hormonellen Umstellungen und ist anfälliger für Parodontitis. Ursache für die Zahnfleischentzündungen ist nicht entfernter Zahnbelag, der durch die Schwangerschaftshormone aggressiver wird.  

 


Betäubung

Die Spritze ist in einigen Fällen das geringere Übel gegenüber dem riesigen Stress - verglichen mit einer Behandlung ohne Betäubung. Wir verwenden eine Articain-Spritze mit Adrenalin 1:200.000, die für das ungeborene Kind besser verträglich ist. Aber selbst eine herkömmliche Betäubung wird normalerweise von Mutter und Kind gut vertragen.

 


Röntgen


Falls wir im Notfall röntgen müssen, werden wir das nur nach sorgfältiger Abwägung der Risiken tun. Denn Röntgenstrahlen können schädigen, selbst wenn „nur“ der Kiefer untersucht wird. Im Idealfall sollten Frauen, die eine Schwangerschaft planen, ihren Mundgesundheitszustand vorher untersuchen lassen - zu ihrem eigenen und zum Schutz ihres Kindes.

 

Warum wird manchen Schwangeren beim Zahnarzt schwindelig?

Das Vena-cava-Kompressions-Syndrom stellte eine Komplikation bei der zahnmedizinischen Behandlung von Schwangeren ab dem 6. Monat dar. Hier klagt die Betroffene über Schwindelgefühl und Unwohlsein. Um diesem vorzubeugen, empfiehlt sich die Behandlung in einer nur sehr leicht geneigten nach links ausgerichteten Position durchzuführen. Zusätzlich kann die rechte Hüfte mit einem Kissen abgestützt werden. Begründet wird das Vena-cava-Kompressions-Syndrom durch den Druck der Gebärmutter auf die dahinter liegende Vena cava. So wird das Blut aus dem Körper nicht zum Herzen zurückgepumpt und es kommt zum Absinken des Kreislaufs, zu Übelkeit, zu Schweißausbrüchen und Atemnot. Die seitliche Lagerung verhindert das Auftreten der oben genannten Symptome und führt bei bereits bestehenden Symptomen meist schlagartig zur Besserung.

Schwangeren-Check bei ihrem Zahnarzt Schmücker:

Während der Schwangerschaft befindet sich ihr Körper in einem besonderen Zustand. Darauf sollte kompetent reagiert werden. Auch die Zähne und das Zahnfleisch bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit und Betreuung. Volksweisheiten wie "Jede Schwangerschaft kostet einen Zahn" oder "Die Zähne der Schwangeren werden weicher" gehören somit der Vergangenheit an. Gleichwohl besteht während der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für ihre Zähne und das Zahnfleisch. Dieses Risiko kann bei einer entsprechenden Aufklärung und Betreuung aber minimiert werden. Wir bieten Schwangeren eine spezielle Vorsorgeuntersuchung an, den sogenannten Schwangeren-Check. Die werdende Mutter erhält hier eine spezielle Beratung zum Thema Schwangerschaft, Kinderzahnheilkunde und Parodontitis, sowie Aufklärungsmaterial, was während der Schwangerschaft hinsichtlich der Mundgesundheit zu beachten ist. Außerdem erfolgt ein spezieller Zahn- und Zahnfleisch-Check für werdende Mütter.

Wann ist der richtige Zeitpunkt ?

Ich empfehle Ihnen als Zahnarzt: Frauen mit Kinderwunsch sollten den ersten Schwangeren-Check schon vor der Schwangerschaft in Anspruch nehmen. Zu diesem Zeitpunkt können unproblematisch alle Maßnahmen Anwendung finden und es kann ausgeschlossen werden, dass sich an irgendeinem Zahn eine unterschwellige oder chronische Entzündung befindet, die sich möglicherweise negativ auf den Gesundheitszustand der werdenden Mutter auswirkt. Dies kann durch eine röntgenologische Untersuchung unterstützt werden. Ansonsten werden während der Schwangerschaft zwei zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen angeraten: eine zu Beginn und eine in der Mitte der Schwangerschaft. Fragen Sie in unserer Zahnarztpraxis Schmücker nach und machen Sie einen Termin zum Schwangeren-Check.

Was kostet der Schwangeren-Check?

Die Kosten dafür werden von Ihrer Krankenversicherung übernommen.

Einige Informationen zusammengefasst:

Zahnvorsorge in der Schwangerschaft

An die Zahnvorsorge in der Schwangerschaft wird zu wenig gedacht. Denn die Hormonausschüttungen während der Schwangerschaft verändern das Zahnfleisch, Bakterien können sich vermehrt bilden und am Ende leidet unter Umständen auch das ungeborene Leben.

Das Zahnfleisch in der Schwangerschaft wird stärker durchblutet, ist weicher und manchmal leicht angeschwollen. Bakterien können sich ansiedeln und zu Entzündungen führen. Vermehrtes Zahnfleischbluten ist oft das erste Anzeichen einer Zahnfleischentzündung (Schwangerschaftsgingivitis). Der Entzündungsstoff aMMP-8 kann in den Geburtsablauf und die Wehentätigkeit eingreifen und erhöht das Risiko einer Frühgeburt um das siebenfache. Parodontitisbakterien können somit Fehlgeburten auslösen.

Zahnvorsorge in der Schwangerschaft ist auch wichtig, weil das Risiko für Karies erhöht ist. Grund: Durch das Schwangerschaftserbrechen gelangt Magensäure an die Zähne, die den Zahnschmelz angreift. Ein Neugeborenes hat zunächst keine Bakterien im Mund, sie gelangen erst im Kontakt mit der Umwelt in die Mundhöhle des Säuglings. Die Bakterien der Mutter siedeln sich so im Mundraum des Kindes an. Um eine Infektion zu verhindern, sollten Schwangere möglichst schon vor einer Schwangerschaft mit der Kariesprophylaxe beginnen.

Mindestens zwei Mal im Laufe Ihrer Schwangerschaft sollten Sie die professionelle Zahnreinigung in Ihrer Zahnarztpraxis in Anspruch nehmen - einmal zu Beginn (ab der 13. Woche) und einmal im letzten Drittel (zwischen 25-35. Woche) der Schwangerschaft.

Zahnproblemen in der Schwangerschaft vorbeugen

Um das Risiko von Zahnfleischentzündungen zu reduzieren, ist regelmäßige Zahnpflege wichtig. Schwangere sollten sich über die Gefahren von Plaque und Zahnstein informieren. Zahnärzte können über eine professionelle Zahnreinigung informieren. Überprüfen Sie auch, ob Sie ausreichend Fluorid zu sich nehmen. Fluorid härtet den Zahnschmelz und schützt ihn auf diese Weise vor den Angriffen der Kariesbakterien. Zusätzlich zur fluoridhaltigen Zahnpasta kann während der Schwangerschaft auch eine fluoridhaltige Spüllösung oder ein Gel verwendet werden. Die enthaltenen Fluorid-Mengen sind unbedenklich für die Gesundheit des Babys.

Ernährung und Zahngesundheit

Ein erhöhter Appetit auf Süßigkeiten steigert auch die Kariesgefahr. Lieber einmal am Tag Süßes essen und danach die Zähne putzen als ständig Kekse und Schokolade naschen oder süße Getränke trinken. Besser ist eine vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse – für Zähne, Mutter und Kind.

Röntgen in der Schwangerschaft?

Der Behandler muss selbst entscheiden, ob die klinische Situation eine Röntgenuntersuchung rechtfertigt. Auch wenn die Schädigungswahrscheinlichkeit verschwindend klein ist, lässt sich in einzelnen Fällen eventuell die radiologische Bildgebung um einige Wochen verschieben. Grundsätzlich besteht allerdings für jede während der Schwangerschaft durchgeführte radiologische Untersuchung (wie auch für jede andere ärztliche Maßnahme) immer die Chance, dass sich unabhängig vom kausalen Zusammenhang in zeitlicher Nähe Schwangerschaftskomplikationen einstellen können, welche in der Folge Fragen aufwerfen und die Arzt-Patient-Beziehung belasten. Sprich: Eine Impfung oder eine Röntgenuntersuchung hat höchst wahrscheinlich nicht zu einer Komplikation geführt und wäre höchst wahrscheinlich auch ohne diese Untersuchung oder Maßnahme eingetreten, wird aber damit in einem Zusammenhang gebracht.

Unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass beispielsweise ein unentdeckter und damit unbehandelter (dentaler) Infekt bei der Schwangeren eine viel größere Belastung für das Ungeborene darstellt als ein Röntgenbild.

Fazit

- Jede künstlich verursachte Strahlenapplikation und – Belastung muss durch einen zu erwartenden Nutzen gerechtfertigt werden. Grenzwerte sind auf Wahrscheinlichkeiten gestützt und stellen keine Garantie dar
- Röntgenuntersuchungen in der Schwangerschaft sollten nur nach sorgfältiger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses durchgeführt werden und falls möglich in den ersten 12 Wochen vermieden werden
- Die Schädigungswahrscheinlichkeit durch dentale Röntgen ist verschwindend gering. Die werdende Mutter sollte demnach beruhigt werden
- Digitale Röntgenbilder sind den analogen wenn möglich vorzuziehen, die Rechteckblende ist immer anzuwenden (ALARA-Prinzip)
- Ein unbehandelter Infekt bei der Mutter belastet das Ungeborene mehr als das zur Entdeckung evtl. erforderliche Röntgenbild

Siehe auch hierzu eine Veröffentlichung der Universität Zürich: https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/60038/1/Darf_ich_bei_einer_Schwangeren_R%C3%B6ntgenbilder_anfertigen.pdf

Ich berate Sie gerne zu diesen Themen in meiner Zahnarztpraxis in Ottobeuren in enger Kooperation mit ihrem Frauenarzt.

Ihr Zahnarzt Hans-Werner Schmücker

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